Schon der erste Angriff liess erahnen, wohin die Reise gehen würde. Nach zehn Minuten schob Valerie den Ball zum 1:0 ins Netz – ein Treffer, den Trainer Michi später als «Startschuss für ein grandioses Spiel unserer jungen Wilden» bezeichnete. Diese Szene beflügelte Thalwil sichtlich: Eva legte in der 21. und 22. Minute einen Doppelpack nach, Alaïa erhoehte in Minute 28 auf 4:0. Wollishofen versuchte, Ruhe ins Spiel zu bringen, doch die Gastgeberinnen kombinierten sich immer wieder mit hohem Tempo an den Strafraum.
Nicht nur technisch, auch taktisch war Thalwil überlegen. «Man sieht Michis Handschrift deutlich», schwärmte ein Vater am Spielfeldrand, während seine Tochter auf dem Rasen ein variables Positionsspiel zeigte. Die Gäste hielten trotzdem dagegen – was Michi ausdrücklich würdigte: «Ebenso grandios ist, dass Wollishofen nie aufgegeben hat.» Die Belohnung folgte kurz vor der ersten Pause, als Jana aus rund 18 Metern unhaltbar zum 5:1 traf.
Dass der Anschlusstreffer die Thalwilerinnen nervös machen könnte, erwies sich als Irrtum. Im dritten und vierten Viertel spielten sie weiter nach vorn, pressten hoch und zogen die Abwehr der Gäste damit immer wieder auseinander. Delia stellte in Minute 65 den Fünf-Tore-Abstand wieder her, ehe Eva (68., 70.), Valerie (72.), Isabella (75.) und nochmals Eva (80.) den Endstand von 11:1 herausschiessen. Mit fünf Treffern avancierte Eva zur Spielerin des Tages, doch gerade das Kollektiv machte den Unterschied: «Man sah, dass Thalwil schon lange zusammenspielt», stellte Wollishofens Trainerin Tina fest.
Trotz des klaren Resultats blieb die Atmosphäre auf und neben dem Platz tadellos. Ein Gast aus Wollishofen lobte die Gastgeberinnen als «starkes, aber sehr faires Kader – ein echtes Freundschaftsspiel, bei dem am Ende nicht das Resultat, sondern die Beziehung zueinander hängen bleibt». Genau diesen Punkt griff Michi auf: «Meistens war es sehr fair, aber da haben wir noch Luft nach oben», sagte er und erntete zustimmendes Nicken von Tina – beide Coaches wollen ihre Teams hier weiter sensibilisieren.
Aus sportlicher Sicht ist der Thalwiler Kantersieg ein frühes Ausrufezeichen. Die Mannschaft kombinierte flüssig, nutzte die Breite des Feldes und schaltete nach Ballgewinn blitzschnell um. Wollishofen fehlte vor allem die Sicherheit im Passspiel, um sich aus dem hohen Pressing zu befreien, zeigte aber Moral bis zum Schlusspfiff. Taktisch wie technisch war der Unterschied dennoch zu gross – ein Umstand, der angesichts der längeren gemeinsamen Spielpraxis Thalwils wenig überraschte.
Der Himmel über Thalwil war nur leicht bewölkt, doch für die Heimmannschaft und ihr Publikum war dieser Samstag sonniger als jeder Hochsommertag: ein perfekter Saisonstart, ein Lehrstück in Fairness – und die leise Gewissheit, dass diese jungen Wilden noch einiges vorhaben.